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Rund um das Lepramuseum klappert’s

Wir freuen uns über den folgenden Beitrag von Dr. Ralf Klötzer zum Erscheinen der „Klapper“ 2012, Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde:

Titelbild "Die Klapper 2012"

Die Klapper 2012

Leprakranke stehen am Anfang der Kinderhauser Geschichte. Sie wohnten im Leprahospital gegenüber der heutigen Josefskirche. Die Stadt Münster unterhielt es, um hier Leprakranke zu beherbergen, denen eine damals unheilbare Krankheit lebenslanges Leiden schuf.

„Kinderhus“ war der Name des 1333 erstmals erwähnten Leprahospitals. Es wurde seit 1684 als Armenhaus der Stadt Münster geführt. Das große, 1662–1666 als Jugendwohnheim erbaute Fachwerkhaus prägt bis heute das Ortsbild an dieser Stelle.

Die meisten Kinderhauserinnen und Kinderhauser kennen das Lepramuseum, das 1986 im hinteren Teil des Gebäudes eröffnet wurde. Die zwei Jahre zuvor gegründete Gesellschaft für Leprakunde e.V. mit ihren inzwischen über 90 Mitgliedern bemüht sich auf unterschiedliche Weise, sowohl die Leprageschichte als auch die heutige Verbreitung der Lepra bekannter zu machen. Immer noch erkranken weltweit jährlich über 200.000 Menschen an Lepra, die meisten in Indien, Brasilien und ostafrikanischen Ländern.

„Die Klapper“ heißen die jährlichen Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V. Die Zeitschrift erscheint seit 1986. Die Klapper 20, 2012 kam vor wenigen Tagen im Dezember 2012 heraus. Das gut lesbare, bebilderte Heft im A-4-Format hat 28 Seiten und geht vertiefend auf einige vor allem geschichtliche Leprathemen ein.

Kay Peter Jankrift spricht sich in seinem Titelbeitrag dafür aus, die Geschichte der nicht in Leprahospitälern versorgten Leprakranken schärfer zu betrachten. Bettina Knust lässt Abschiedsworte des leprakranken Dichters aus Nordfrankreich, Jean Bodel, hören, die dieser niederschrieb, als er um 1200 den Gang in das Leprahospital von Arras antreten musste. Mirko Crabus stellt Argumente vor, die zur Beantwortung der Frage heranzuziehen sind, ob in dem der heiligen Maria Magdalena geweihten ältesten Hospital in Münster im 12. und frühen 13. Jahrhundert möglicherweise Leprakranke beherbergt worden sind. Alexandra Kiera prüft, in welchem Gebäude des Eichstätter Siechhofs die dortigen Leprakranken gewohnt haben. Mathias Schmidt stellt Fortschritte der Untersuchungsmethoden von Knochenfunden Leprakranker vor und wägt Möglichkeiten dieser Forschungen ab. Weiter berichtet er den Verlauf der Dritten Kinderhauser Tagung zur Geschichte und Rezeption der Lepra vom 7. Juli 2012. Caroline Tronnier besuchte die Bremer Tagung mit methodisch wegweisender Ausstellung, die sich den Menschen mit Behinderungen in Mittelalter und Frühneuzeit widmete. Kirsten Bernhardt bespricht kritisch die Dissertation von Martin Uhrmacher, der die rheinischen Leprosorien des 12. bis 18. Jahrhunderts untersucht hat. Ingomar Reiff erzählt vom Ausflug der Kustodinnen und Kustoden des Lepramuseums nach Detmold und von der kundig geführten Besichtigung des dortigen LWL-Freilichtmuseums. Petra Jahnke gibt schließlich die Hinweise wieder, die den möglichen Übertragungsweg der Leprabakterien vom Gürteltier auf den Menschen sehr wahrscheinlich machen.

Auch die früheren Jahrgänge der „Klapper“ sind noch zu haben. Sie werden an Mitglieder und Interessierte kostenlos abgegeben. Für eine Spende von 4 Euro pro Heft wäre die Gesellschaft für Leprakunde e.V. dankbar.
Der Name der „Klapper“ bezieht sich auf die hölzerne Klapper, die die Leprakranken benutzen mussten, um außerhalb des Leprahospitals die Gesunden zu warnen. Es war damals bereits bekannt, dass die Lepra durch Anhusten übertragen werden kann. In vielen historischen Bildern werden Leprakranke mit Klapper dargestellt.

Kontakt: Gesellschaft für Leprakunde e.V., Dr. Ralf Klötzer, Vorsitzender, Albrecht-Thaer-Straße 14, 48147 Münster, Tel. 0251-525295.
Lepramuseum, Kinderhaus 15, 48159 Münster, geöffnet sonntags 15–18 Uhr (April–Oktober), 15–17 Uhr (November–März), und nach Vereinbarung. Führungen: Petra Jahnke, Tel. 0251-234689.

www.lepramuseum.de
info@lepramuseum.de

 
Von Gast am 19.12.2012 | Aktualisiert am 10.03.2014
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Kategorien: Aktuelles
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